Für wen
Material sammeln, das zitierbar bleibt
Recherche, die aus Bildschirmfotos und Lesezeichen besteht, wird genau in dem Moment unbrauchbar, in dem sie belegt werden soll. Eine Markdown-Datei mit Frontmatter trägt Titel, Autor, Erscheinungsdatum und Quelladresse in sich selbst. Sie bleibt Jahre später lesbar und durchsuchbar, ohne von einem Dienst abzuhängen.
Der Tag, an dem belegt wird
Recherche entsteht schnell und wird langsam geprüft. Sie haben vierzig Seiten gelesen, von jeder einen Satz behalten, und beim Gegenlesen soll zu jeder Behauptung stehen, woher sie stammt. Lesezeichen tragen kein Datum, Bildschirmfotos lassen sich nicht durchsuchen, und in der Notizdatei stehen Sätze ohne Herkunft. Die Quelle wiederzufinden dauert dann länger, als sie beim ersten Mal zu lesen.
Das zweite Problem ist die Autorenzeile. Viele Werkzeuge füllen das Autorenfeld mit der ersten plausiblen Zeichenkette der Seite: einem Rubriknamen, dem Namen des Mediums, der Beschriftung einer Teilen-Schaltfläche. Eine falsche Zuschreibung kostet mehr als eine fehlende, weil sie niemand noch einmal prüft – das Feld sieht gefüllt aus, also wird ihm geglaubt.
Das dritte Problem ist die Zeit dazwischen. Zwischen Recherche und Gegenlesen liegen oft Monate, und in diesen Monaten wird die Quelle umgeschrieben, korrigiert oder hinter eine Bezahlschranke gestellt. Der Satz, den Sie zitiert haben, steht dann anders da oder gar nicht mehr, und wer nachsieht, findet etwas anderes als Sie damals. Ein Clip mit Adresse, Datum und vollständigem Text ist an dieser Stelle nicht Bequemlichkeit, sondern der Unterschied zwischen belegen und behaupten.
Was jede Notiz trägt
- Titel, Autor, Erscheinungsdatum und Quelladresse im Frontmatter jeder Datei
- Der Autor wird in strukturierten Daten und Autorenzeilen gesucht, und die falschen Treffer fallen heraus
- Der Artikeltext ohne Navigation und Werbeblöcke, fertig zum Zitieren
- Auswahl erfassen, wenn nur ein Absatz und sein Umfeld gebraucht werden
- Der Lesemodus zeigt den Clip zur Kontrolle, bevor er abgelegt wird
- Die Dateien landen in Ihrem eigenen Ordner, in einem Format, das keinem Anbieter gehört
- Das Feld
extractionsagt, ob der Text aus dem gerenderten DOM kam oder aus den strukturierten Daten der Seite - Regeln pro Website legen Interviews, Studien und Presseerklärungen von vornherein in getrennte Ordner
--- title: "Was Archive über eine Gesellschaft verraten" source: "https://www.deutschlandfunkkultur.de/was-archive-verraten-100.html" author: "Deutschlandfunk Kultur" published: "2023-11-08" extraction: "dom" --- Ein Archiv entscheidet nicht nur darüber, was aufbewahrt wird, sondern auch darüber, was später überhaupt noch gefragt werden kann.
Eine Recherche belegbar anlegen
Der Aufwand steckt vorn: Ein Ordner, eine Namensvorlage, drei Regeln. Danach entsteht der Nachweis beim Lesen und nicht nachträglich beim Gegenlesen.
- Legen Sie in den Einstellungen einen Zielordner für das Vorhaben an, etwa
Recherche/Buch. Ein Ordner pro Vorhaben lässt sich am Ende im Volltext durchsuchen, ohne dass die Recherche des letzten Jahres mitkommt. - Setzen Sie die Namensvorlage auf
{date}-{domain}-{title}. Damit steht im Dateinamen, wann Sie gelesen haben und wo – beides sind Fragen, die beim Gegenlesen zuerst gestellt werden. - Behalten Sie im Frontmatter
title,source,authorundpublished. Das sind genau die vier Angaben, aus denen sich später ein Nachweis in jedem Stil bauen lässt, ohne die Seite noch einmal zu öffnen. - Legen Sie Regeln pro Website an, die Quellenarten trennen: Presseerklärungen in den einen Unterordner, Fachpresse in den anderen, Foren und soziale Netze in einen dritten. Beim Gegenlesen zählt die Art der Quelle, und der Ordner sagt sie ohne Nachdenken.
- Erfassen Sie beim Lesen, nicht später. Für einen einzelnen Absatz markieren Sie ihn vorher und erfassen die Auswahl; das Frontmatter wird trotzdem vollständig geschrieben.
- Prüfen Sie im Fenster die Felder
authorundpublished, bevor Sie speichern. Ein leeres Autorenfeld ist ein Hinweis und kein Fehler – es heißt, dass die Seite keinen Autor ausgezeichnet hat, und genau das sollten Sie beim Zitieren wissen.
Einstellungen für Recherche
Die Belegung ist darauf ausgelegt, dass eine einzelne Datei allein tragfähig ist – ohne den Ordner, ohne die Erweiterung und ohne die Website, von der sie stammt.
| Einstellung | Wert | Warum gerade so |
|---|---|---|
| Klick auf das Symbol | Vorschaufenster | Nur dort sehen Sie `author` und `published`, bevor die Datei entsteht |
| Namensvorlage | `{date}-{domain}-{title}` | Wann gelesen und wo erschienen – die beiden Fragen, die beim Gegenlesen zuerst kommen |
| Frontmatter | `title`, `source`, `author`, `published` | Aus diesen vier Angaben lässt sich später jeder Nachweis bauen, ohne die Seite neu zu öffnen |
| Zielordner | `Recherche/<Vorhaben>` | Ein Ordner pro Vorhaben bleibt durchsuchbar, ohne dass die Recherche des Vorjahres mitkommt |
| Regel für Website | Muster einer Presseseite → Unterordner `Recherche/Presseerklärungen` | Beim Gegenlesen zählt die Art der Quelle, und der Ordner nennt sie ohne Nachdenken |
| Bilder | `behalten` | Eine Abbildung ist oft selbst die Quelle einer Zahl; als Link bleibt sie wenigstens auffindbar |
--- title: "Bericht zur Lage der Bibliotheken" source: "https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bibliotheken-bericht-2245108" author: "" published: "2024-05-06" extraction: "dom" --- Der Bericht führt die Bestände der öffentlichen und der wissenschaftlichen Bibliotheken zusammen und weist sie nach Trägerschaft aus. > Die Erhebung beruht auf den Meldungen der Länder zum Stichtag 31. Dezember.
Drei Lagen aus der Praxis
Vierzig Seiten für ein Kapitel
Ein Kapitel stützt sich auf vierzig gelesene Seiten, von denen fünfzehn am Ende zitiert werden. Sie erfassen jede beim Lesen in Recherche/Buch, mit Datum und Domain im Namen, und lassen die Regeln die Quellenarten sortieren.
Beim Schreiben suchen Sie im Ordner nach einem Stichwort, und die Volltextsuche findet die Datei, weil es Textdateien sind. Was in den Text kommt, hat seine Adresse eine Zeile über sich stehen – der Nachweis entsteht nicht am Ende, sondern lag von Anfang an daneben.
Ein Zitat, das später bestritten wird
Eine Redaktion fragt nach, ob eine zitierte Formulierung wirklich so dastand. Die Seite zeigt inzwischen eine geglättete Fassung, und die Nachfrage klingt wie ein Vorwurf. Der Clip vom Tag der Recherche trägt den vollständigen Text, das Erscheinungsdatum aus den Metadaten und die Adresse.
Das ist keine notarielle Feststellung, und so sollte es auch nicht dargestellt werden – es ist eine datierte Arbeitskopie. Für die Frage, ob Sie sorgfältig gearbeitet haben, reicht sie; für einen Nachweis mit Beweiskraft braucht es eine dritte Stelle.
Material aus einem Abonnement sichern
Der entscheidende Aufsatz liegt hinter einer Bezahlschranke, die Sie bezahlt haben. Ein Archivdienst kommt dort nicht hin, Ihr Browser schon: Die Erweiterung liest die Seite, die nach Ihrer Anmeldung gerendert wurde, und erfasst sie wie jede andere.
Was dabei entsteht, ist Text mit Metadaten für Ihre eigene Arbeit, kein Verteilexemplar. Bilder bleiben Links auf die ursprüngliche Website, und was Sie mit dem Material tun dürfen, richtet sich weiter nach den Bedingungen des Anbieters.
Gegen die üblichen Wege
Recherche wird auf viele Arten gesichert, und die meisten davon verlieren genau eine Angabe zu viel. Die letzte Zeile nennt auch, was hier fehlt.
| Weg | Was dabei herauskommt | Was es kostet |
|---|---|---|
| Lesezeichen mit Ordnerstruktur | Eine Liste von Links, schnell angelegt | Kein Text, kein Datum, kein Autor – und bei einer umgeschriebenen Seite zeigt der Link auf etwas anderes |
| Bildschirmfoto der Passage | Ein Abbild, das zeigt, wie es aussah | Nicht durchsuchbar, nicht zitierfähig als Text, und die Adresse steht nur mit im Bild, wenn Sie daran gedacht haben |
| In ein Textdokument kopieren | Der Text, sofort verfügbar | Herkunft und Datum muss man von Hand darunterschreiben – und genau das unterbleibt beim vierzigsten Mal |
| Externer Archivdienst | Ein Abbild der öffentlichen Seite mit Zeitstempel | Erwischt nicht jede Fassung, kommt nicht hinter Anmeldung oder Bezahlschranke, und der Dienst muss später noch existieren |
| Clean Clipper | Text mit Titel, Autor, Erscheinungsdatum und Adresse in einer Datei | Kein Layout, kein Bildschirmfoto, kein Zeitstempel von dritter Seite; ein Autorenfeld bleibt leer, wenn die Seite keinen ausweist |
Wenn die Herkunft fehlt
Warum bleibt author leer, obwohl unter dem Titel ein Name steht?
Weil dieser Name auf der Seite nicht als Autor ausgezeichnet ist. Gelesen werden strukturierte Daten und ausgezeichnete Autorenzeilen; ein Name, der nur als gewöhnlicher Absatz gesetzt ist, wird nicht erkannt. Das ist die bewusste Entscheidung: Eine falsche Zuschreibung prüft niemand nach, weil das Feld gefüllt aussieht.
Warum steht im Autorenfeld der Name der Redaktion?
Weil die Seite ihn selbst als Autor ausgezeichnet hat – bei Agenturmeldungen und Nachrichtenportalen ist das üblich. Die Erweiterung übernimmt, was die Seite angibt, und erfindet weder eine Person dazu noch entfernt sie die Angabe. Wenn Sie eine Person brauchen, steht sie meist im Text und nicht in den Metadaten.
Ich habe die Seite erneut erfasst – welche Datei ist die alte?
Die ohne angehängte Zahl. Bei gleichem Dateinamen überschreibt die Erweiterung nicht, sondern hängt eine Zahl an, sodass beide Fassungen liegen bleiben. Steht {date} in der Namensvorlage, unterscheiden sich die Namen ohnehin nach Tagen.
Der Artikel steckt hinter einer Bezahlschranke – was wird erfasst?
Genau das, was Ihr Browser Ihnen zeigt. Sind Sie angemeldet und der Text ist gerendert, wird er vollständig erfasst; sehen Sie nur den Anriss, wird auch nur der Anriss erfasst. Die Erweiterung meldet sich nirgends an und umgeht keine Schranke.
Was es nicht tut
Es füllt kein Autorenfeld, das die Seite nicht hergibt: Ein leeres Feld ist besser als ein erfundener Name, und so ist es entschieden. Es bewahrt weder Layout noch Bildschirmfotos, sondern nur Text und Struktur. Es verwaltet keine Literatur und erzeugt keinen Zitierstil. Und es prüft nichts für Sie: Eine zweifelhafte Quelle bleibt auch sauber erfasst eine zweifelhafte Quelle.